Oberflächenveredelung

Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.

David Hume (1711 – 1776)

Es gibt viele Möglichkeiten eine Oberfläche zu veredeln. Für meine Gitarren verwende ich Folgendes ... Wachsen, offenporig matt lackieren, hochglänzend mit Nitrozellulose oder Polyester lackieren und mit Schellack polieren.

Was auch immer verwendet wird, das aufgetragene Material hat Einfluss auf den Klang der Gitarre. Vor allem spielt hier die Menge eine wichtige Rolle.
Je nach relativer Luftfeuchte verändert Holz seine Dimension. Um diese Bewegungen aushalten können, muss das aufgetragene Material elastisch sein. Aufgrund dieser elastischen Eigenschaft dämpft das Material die Schwingungen des Holzes. Nicht zu vergessen, das aufzutragende Material ist auch schwer und macht z.B. die Gitarrendecke träge.

Wachsen
Damit die Poren versiegelt werden und sich möglichst wenig Dreck darin festsetzen kann, grundiere ich die Gitarre z.B. mit Schellack. Dann wird das Wachs aufgetragen. Das ergibt eine offenporige, wunderschöne, seidenmatte Oberfläche, die sehr leicht wieder auszubessern ist. Das ist die leichteste und einfachste Lackierung, die ich anbiete.

Offenporig matt lackieren
Um eine Oberfläche offenporig matt zu lackieren, sind nur zwei Lackiervorgänge nötig ... erst grundieren, dann ablackieren. Diese Oberfläche ist dann schon etwas robuster als die gewachste Oberfläche, allerdings auch um eine Nuance schwerer. Sie bedeutet einen ähnlichen Arbeitsaufwand wie eine gewachste Oberfläche.

Hochglänzend lackieren
Um eine Oberfläche glänzend zu gestalten, müssen alle Poren im Holz komplett aufgefüllt und verschlossen werden. Bei den meisten Lacken wird die Oberfläche nach dem letzten Lackiervorgang noch einmal extrem fein geschliffen und auspoliert. Das erfordert eine wesentlich dickere Lackschicht als eine gewachste oder offenporig matte Oberfläche.
Dafür verwende ich zwei unterschiedliche Lacke, Nitro und Polyester.

Nitrozelluloselack trocknet nur durch das Verdunsten des Lösungsmittels und löst dadurch die darunter liegende Lackschicht wieder an. Das heißt, es ist immer wieder möglich, eine gute Verbindung zwischen altem und neuem Lack herzustellen. Diese Eigenschaft kann beim Reparieren und Restaurieren von Vorteil sein.
Allerdings sind durch den geringen Festkörperanteil sehr viele Lackiervorgänge nötig.

Meistens verwende ich Polyesterlack. Dieser Zweikomponentenlack, bestehend aus Härter und Lack, bindet etwas zeitverzögert ab. Dadurch ist wesentlich mehr Sorgfalt in der Verarbeitung erforderlich, da Fehler nicht mehr so einfach auszubessern sind.
Durch den sehr hohen Festkörperanteil ist es möglich, mit 5 dünnen Lackschichten eine wunderschöne hochglänzende Oberfläche zu gestalten.

Schellack ist die edelste Form, eine Gitarre zu lackieren.
Auf jungen Trieben der unterschiedlichsten Wirtspflanzen lebt die Lackschildlaus Kerria lacca. Sie ernährt sich vom Pflanzensaft dieser Bäume. Bei der Verdauung scheidet das befruchtete Weibchen über spezielle Lackdrüsen eine Mischung aus Körpersäften und Harz wieder aus. Dieses Harz umschließt das Weibchen und ihre Jungen. Die Mutter stirbt und die Jungläuse befreien sich nach einer gewissen Entwicklungzeit aus dieser Schutzhülle.
Diese Harzkruste wird von den Bäumen gebrochen und aufwendig weiterverarbeitet bis es bei mir auf der Werkbank landet und in Alkohol aufgelöst wird. Anschließend wird der gelöste Lack in ca. 20 Lackiervorgängen mit Hilfe eines Polierballens behutsam aufgetragen.

Ich kenne keine andere Art zu lackieren, mit der man eine hochglänzende Oberfläche erzeugen kann, die nur drei 30µm (Mikro­meter) dünn ist.
Das bedeutet, eine Schellackpolitur ist aus akustischer Sicht betrachtet, die beste Art eine Gitarrendecke zu lackieren.

Natürlich hat Schellack auch Nachteile. Er ist sehr empfindlich gegenüber mechanischen Belastungen, Schweiß und sogar schon die Körperwärme eines Gitarristen macht den Lack weich.
Deshalb lackiere ich nur die Decken meiner Gitarren mit Schellack.

Deutsche / Spanische Bauweise

Wenn du dich immer an die Regel hältst, verpasst du eine Menge Spaß.

Katharine Hepburn (1907 - 2003)

Eine sehr grundlegende Entscheidung und viel diskutiertes Detail ist das Thema Deutsche oder Spanische Bauweise!

Beide Methoden können sehr minderwertig und sehr hochwertig ausgeführt werden. Ich bin der Meinung, das ist kein Qualitätsmerkmal.

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick: … Mit der Eroberung Wiens 1805 durch Napoleon wurde Wien zu einem kosmopolitischen Schmelztiegel. Viele Menschen zog es nun in diese aufblühende Metropole, weil sie sich dort ein besseres Leben erhofften. 50 Jahre lang, bis zur Märzrevolution und der Ankunft von Kaiserin Elisabeth I., war Wien das Zentrum der Gitarrenwelt. Für Gitarrenbauer gab es nun viel Arbeit und einige nutzen diese Chance, sich einen Namen zu machen. Viel Wissen wurde erarbeitet und in alle Welt, vor allem aber nach Deutschland, getragen. Es etablierte sich die sog. "Deutsche Bauweise".

Schauen wir ins Spanien dieser Zeit, sehen wir viele politische Umbrüche, die Land und Leute das Leben schwer machen. Die Gitarrenbauer arbeiteten mit einem Minimum an Werkzeug in ihren kleinen Werkstätten. Und ... Not macht erfinderisch. So schafften es die spanischen Gitarrenbauer z.B. mit nur einer einfachen Schnur, die heute gebräuchlichen Zwingen zu ersetzen. Und dieses Werkzeug zählt zu den Wichtigsten in meiner Werkstatt!
Während in Wien die Gitarre beim Volk als auch beim Adel einen Boom erlebte, blieb die Gitarre in Spanien "nur" das Instrument des Volkes, auch wenn sie immer wieder mal am Königshof anzutreffen war. Gleichzeitig mit dem Zusammenbruch der Gitarrenszene Wiens Mitte des 19. Jahrhunderts, erlebte man den Aufstieg der Gitarrenbaukunst in Spanien. Mit Antonio de Torres als Vorreiter wurde die "Spanische Bauweise" in der spanischen Gitarre auf der ganzen Welt bekannt.

Und was ist nun der Unterschied zwischen der spanische Bauweise und der Deutschen? Im Wesentlichen ist es die Art und Weise, wie eine Gitarre zusammengebaut wird.

Bei der spanischen Bauweise werden erst alle Bestandteile wie Decke, Hals, Zargen etc. angefertigt. Dann wird der Hals, der bis in den Korpus hineinragt, mit der Decke verleimt. Beides wird zusammen auf einer „Solera“ fixiert, die den Halswinkel ganz genau festlegt. Auf dieser Solera werden die beiden Zargenhälften mit der Decke und in zwei Schlitze in den Hals geleimt. Wenn die Zargen mit Reifchen, Unterklotz und ggf. mit Konsolen fertig ausgestattet und an die Bodenwölbung angepasst sind, wird der Korpus mit dem Boden geschlossen.

Ich baue meistens "spanisch" und nutze viele Elemente der deutschen Bauweise

Hier werden der Korpus und der Hals unabhängig voneinander angefertigt und anschließend miteinander verbunden. Weitere Unterschiede sind die Art der Deckenwölbung, die Hals-Kopf-Verbindung, Beleistung u.v.m.

Deckenkonstruktion

Nur wer nicht ist wie die breite Masse, vermag aus ihr hervorzustechen.

Chinesische Weisheit

Bei der Gitarre wird nur für einen kleinen Moment Energie an die Saite übertragen, die dann gut und lange weiterschwingen sollte. Das heißt die Decke muss so konstruiert sein, dass sie möglichst wenig gedämpft wird.

Ein weiterer Parameter ist das Gewicht. Aufgrund des Saitenzugs von gerade mal 40 bis 45 kg (nur bei Nylonsaiten) ist die verfügbare Energie, um die Gitarre in Schwingung zu versetzen, klar definiert. Auf die Decke bezogen ... je leichter sie ist, desto einfacher kann sie in Schwingung gebracht werden. Allerdings muss die Decke trotzdem noch 45 kg Saitenzug aushalten können!

Im Moment sind drei Deckenkonstruktionen in aller Munde. Zum Einen die traditionelle Beleistung mit über 150 Jahren Geschichte, daneben das Lattice-Bracing, von Paul Fischer und vor allem Greg Smallman bekannt gemacht und drittens die Doubletop-Decke, von Gernot Wagner etabliert.

Die traditionelle Beleistung
Die Decke ist je nach Materialbeschaffenheit und Vorstellung des Gitarrenbauers zwischen 2 mm und 3 mm dick. Sie wird mit Hilfe von fünf oder mehr Leisten, welche meist fächerförmig angeordnet sind, verstärkt. So kann die Decke dem Saitenzug standhalten.

Die von mir traditionell gebauten Instrumente sind, im Vergleich zu Lattice-Bracing-Gitarren, etwas schwerer aus der Reserve zu locken, da mehr Kraft beim Anschlag nötig ist. Wenn sie dann allerdings zu singen beginnen, hat man vor allem in Kombination mit einer Fichtendecke eine unglaubliche Vielfalt an Klangfarben. Diese Gitarren sind zwar nicht übertrieben laut, setzen sich aber selbst neben lauten Instrumenten oder gar einem Chor durch und sind bis in den hintersten Winkel gut zu hören.

Lattice-Bracing
Wie der Name schon vermuten lässt, werden bei dieser Beleistungsmethode die Leisten gitterförmig übereinander positioniert. Dadurch kann man die Decke auf bis zu 1 mm Dicke ausarbeiten und das Gewicht der Decke wird stark reduziert. Sinn der Lattice-Beleistung ist ein lautes Instrument. Oft geht diese Lautstärke auf Kosten der Vielfalt an Klangfarben. Ich habe auch schon viele solcher Gitarren kennen gelernt, die zwar in unmittelbarer Nähe sehr laut sind, aber keinen Saal füllen können.

Nach langem Beobachten und Überlegen habe ich im Jahr 2014 die ersten Instrumente realisiert, die die Vorteile einer klassisch gebauten Gitarre und einer Gitarre mit Lattice-Bracing hervorragend vereinen.

Doubletop
Bei dieser Konstruktion wird auf der Deckenaußenseite eine 0,6 mm dünne Schicht Holz verwendet, auf die ein wabenförmiges Gittergewebe aufgeklebt wird. Auf der Innenseite der Decke wird wieder eine 0,6 mm dünne Holzschicht aufgeklebt, so dass eine Art Sandwich entsteht. Inzwischen gibt es natürlich viele Varianten dieser Konstruktionsmethode.
Die Idee ist dieselbe wie beim Lattice-Bracing, nämlich Gewicht reduzieren. Auch die Probleme sind ähnlich. Der größte Vorteil ist der, dass die Gitarre immer gleich klingt, selbst wenn sich die relative Luftfeuchte verändert. Das ist ein wesentlicher Vorteil für Gitarristen, die viel reisen müssen.

Die Decke ist zwar ein wesentliches Detail einer Gitarre, allerdings nur ein Detail. Erst in Kombination mit allen anderen Bestandteilen wird eine Gitarre die begehrten Eigenschaften erhalten. Die Art und Weise wie die Zargen, der Boden, der Hals oder die Umrissform gestaltet sind, beeinflussen das Endergebnis erheblich.

Boden / Zarge

Dinge wahrzunehmen ist der Keim der Intelligenz.

Laozi (gestorben 531 v. Chr.)

Der Boden und die Zarge haben mit dem Charakter einer Gitarre mehr zu tun als viele Leute ahnen. Die Korpus-Konstruktion, die Art und Qualität des Holzes beeinflussen den Klang einer Gitarre. Das sind einige Details, die es mir ermöglichen, jedem Gitarristen sein persönliches Instrument zu bauen.

In Bezug auf die Aufgaben, die Boden und Zargenkranz zu übernehmen haben, sehe ich unter den Gitarrenbauern zwei unterschiedliche Richtungen…
Die einen wollen den Boden so wie die Decke mitarbeiten lassen. Sie bauen den Boden sehr leicht, gegebenenfalls sogar aus Fichte und gestalten die Beleistung zum Teil sehr aufwendig.
Die anderen wollen nur die Decke arbeiten lassen und bauen extrem steif und schwer. So werden die Schwingungen sehr gut vom Boden reflektiert.
Beim Zargenkranz und beim Hals ist es genauso.

Mithilfe verschiedenster Konstruktionsmethoden und moderner Materialien ist es möglich, extrem steif, schwer oder auch leicht zu bauen.
Aber erst das richtige Zusammenspiel aller Bestandteile bestimmt schlussendlich die Qualitäten einer Gitarre.

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